© by JVO, Rolf Krähenbühl, Mail, Last Update 23. November 2016
Erreger Die   Räude   ist   eine   Hautkrankheit,   die   durch   verschiedene   Milbenarten   verursacht   werden   kann.   Bei den    Wildtieren    spielt    vor    allem    die    Grabmilbe    Sarcoptes    scabiei    eine    Rolle.    Sarkoptesmilben graben   Bohrgänge   in   die   Haut.   In   diesen   Bohrgängen   legen   sie   Ihre   Eier   ab,   ernähren   sich   von Hautzellen    und    Gewebeflüssigkeit,    und    setzen    Kot    ab.Man    nimmt    an,    dass    die    sichtbaren Hautveränderungen    infizierter    Tiere    auf    eine    allergische    Reaktion    auf    die    Milben    und    ihre Abfallprodukte   zurückzuführen   sind.   Sarkoptesmilben   können   zahlreiche   Säugerarten,   inkl.   den Menschen   befallen.   Bei   den   wildlebenden   Raubtieren   ist   die   Krankheit   vor   allem   beim   Fuchs bekannt,    sie    ist    aber    auch    beim    Wolf,    Koyoten,    Bär,    Luchs,    Löwe    und    anderen    Wildfeliden beobachtet   worden.   Beim   Schalenwild   sind   Gämsen   und   Steinböcke   häufige   Opfer   der   Krankheit. Wildschweine können auch erkranken. Übertragung Die   Sarkoptesmilben   werden   hauptsächlich   durch   direkten   Kontakt   zwischen   Tieren   übertragen. Sie   können   aber   auch   von   ihrem   Wirt   auf   den   Boden   fallen   und   mehrere   Wochen   in   der   Umwelt überleben    (z.B.    in    einem    Bau),    wenn    die    Verhältnisse    optimal    sind    (hohe    Feuchtigkeit,    tiefe Temperatur). Ein   gesundes   Tier   (z.B.   ein   Jagdhund)   das   in   einen   Bau   eindringt,   indem   sich   zuvor   räudige Füchse    aufgehalten    haben,    kann    also    von    den    Milben    infiziert    werden,    die    auf    dem    Boden hinterlassen wurden. Die   Übertragung   zwischen   verschiedenen Tierarten   kann   vorkommen,   findet   aber   nicht   immer   statt. Beobachtungen    in    der    Wildbahn,    wie    auch    Infektionsversuche,    weisen    darauf    hin,    dass    die Krankheit   eher   zwischen   verschiedenen   Raubtieren-   oder   zwischen   Schalenwildarten   übertragen werden   kann,   aber   nicht   zwischen   Raubtieren   und   Schalenwild.   Zumindest   gibt   es   bis   jetzt   keine veröffentlichten   Beobachtungen,   dass   ein   Zusammenhang   zwischen   Räudeepidemien   bei   Gämsen und der Fuchsräude besteht. Symptome Schon    wenige    Wochen    nach    der    Infektion    erscheinen    die    ersten    Symptome.    Hautrötungen, Schuppenbildung   und   später   dicke   Krusten   und   oft   Haarausfall   stellen   das   typische   Bild   dar,   das die   Räude   charakterisiert.   Diese   Hautveränderungen   werden   in   der   Regel   von   starkem   Juckreiz begleitet;   befallene   Tiere   fügen   sich   manchmal   beim   Kratzen   offene   Wunden   zu,   die   sich   dann infizieren.   Erkrankte   Raubtiere   tauchen   oft   in   der   Nähe   von   menschlichen   Siedlungen   auf,   wo   sie einfachere Nahrungsquellen finden. Diese     Tiere     sind     abgemagert,     ihr     Fell     sieht     struppig     aus,     und     sie     zeigen     oft     Ver- haltensstörungen(kein   Flucht-verhalten,Angriffe   gegen   Haustiere).   Die   Räude   kann   bei   Haustieren behandelt   werden,   bei   freilebenden   Wildtieren   aber   endet   die   Krankheit   –   bis   auf   wenige   seltene Ausnahmen   –   immer   mit   dem   Tod.   Zwischen   dem   Zeitpunkt   der   Infektion   und   dem   Tod   können mehrere Monate verstreichen. Epidemiologie Die    Räude    ist    eine    hochansteckende    Krankheit,    die    sich    innerhalb    einer    Tierpopulation    sehr schnell    verbreiten    und    bis    90%    des    Bestandes    dezimieren    kann.    Der    Verlauf    der    Epidemien unterscheidet   sich   allerdings   von   Fall   zu   Fall:   Wenn   eine   Population   vorher   nie   von   der   Räude befallen   worden   ist,   ist   das   Risiko   viel   höher,   dass   sie   nach   dem   ersten   Auftreten   der   Krankheit grosse   Verluste   erleidet.   In   Gebieten,   in   denen   die   Räude   schon   lange   vorhanden   ist,   treten hingegen   oft   nur   vereinzelte   Fälle   auf,   als   ob   die   Mehrheit   der   Individuen   eine   gewisse   Immunität oder   Resistenz   gegenüber   der   Krankheit   entwickelt   hätte   -   über   längere   Zeitperioden   beobachtet man ein zyklisches Auftreten der Krankheit. Andere   Faktoren   spielen   ebenfalls   eine   Rolle   in   der Ausbreitung   einer   Epidemie:   Die   Bewegungen der     einzelnen     Individuen     innerhalb     einer     Population     (z.B.     in     Zusammenhang     mit     dem Nahrungsangebot),   die   Populationsdichte   und   das   Sozialsystem   bestimmen   die   Häufigkeit   der Kontakte   zwischen   den   Tieren   und   beeinflussen   dadurch   die   Übertragung   des   Krankheitserregers. Eigentliche    Epidemien    sind    tatsächlich    nur    bei    sozialen    Tierarten    bekannt,    wie    bei    Füchsen, Wölfen,   Gämsen   oder   Steinböcken.   Bei   vorwiegend   einzelgängerischen   lebenden   Arten   wie   Bär, Luchs, und Marder werden eher Einzelfälle festgestellt. Gefahr für den Menschen Menschen   können   gelegentlich   von   räudigen   Tieren   infiziert   werden.   Meistens   dehnt   sich   die Krankheit   aber   nicht   aus   und   heilt   spontan   ab.   Der   Verlauf   kann   wenige   Tage   bis   einige   Monate dauern.   Die   Hautveränderungen   sind   nicht   so   ausgeprägt   wie   bei   den   Tieren   und   treten   vor   allem auf dem Rumpf und auf den Armen auf. Der Juckreiz hingegen kann sehr stark sein. Deshalb   ist   im   Umgang   mit   toten   Tieren,   insbesondere   Füchsen,   Vorsicht   geboten   und   der Gebrauch von Handschuhen stark zu empfehlen! Situation in der Schweiz Die    Sarkoptesräude    wird    seit    mindestens    35    Jahren    in    den    Schweizer    Wildtierpopulationen beobachtet.   Während   die   Krankheit   früher   anscheinend   vor   allem   im   Wallis   vorkam,   brach   sie   vor ca.   12   Jahren   auch   im   Kanton   Genf,   im   Tessin   und   in   den   Berner   Alpen   aus,   wo   sie   epidemisch mehrere   Jahre   lang   bei   den   lokalen   Fuchspopulationen   wütete.   Räudefälle   wurden   auch   im   Kanton Graubünden   und   in   anderen   Regionen   der   Nordwestalpen   beobachtet.   Allgemein   zeigt   die   Räude eine   klare   Tendenz   zur   Ausbreitung.   2004   brach   sie   erstmals   im   Kanton   Freiburg   aus.   Vor   einigen Jahren   traten   die   ersten   Fälle   im   Jura   auf,   wo   die   Krankheit   sich   nun   langsam   ausbreitet.   Obwohl die   Nordostschweiz   bis   vor   Kurzem   verschont   geblieben   war,   sind   neu   auch   im   Kanton   St.Gallen räudige Füchse nachgewiesen worden. Die    Sarkoptesräude    wird    hauptsächlich    beim    Rotfuchs    aber    auch    gelegentlich    beim    Luchs, Steinmarder,   Wolf   und   sogar   beim   Igel   nachgewiesen.   In   Gebieten,   in   welchen   die   Fuchsräude herrscht, werden nichtselten auch Hunde angesteckt.

Sarkoptes- oder Fuchsräude

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